Kulturfahrten 2022

Schwarzbrot und Blumenpracht

Eine betörende Blütenvielfalt und traditionell gebackenes Schwarzbrot in Emsbüren waren auf der zweiten Kulturreise am 18. Mai 2022 Jahres das Ziel der Mitglieder des Heimatvereins Dinklage.

Die Familie Kuipers gründete 1954 ein Gartenbauunternehmen in Holland und kaufte 2004 in Emsbüren 100 Hektar Ackerland. Heute ist Emsflower in Emsbüren die größte Beet- und Balkonpflanzengärtnerei Europas. Auf Bestellung werden in Gewächshäusern auf über 80 Hektar ca. 500 Mio. Pflanzen pro Jahr angebaut und europaweit zum gewünschten Termin geliefert. Nachdem den Heimatfreunden der weitgehend automatisierte Ablauf vom Sämling-Setzen bis zum Umtopfen und Versand erklärt wurde, konnten sie die überwältigende Blütenpracht der farbenfrohen Schnittblumen bewundern. Daneben wuchsen üppig tragende Tomaten-, Gurken-, Obergienen- und Paprikasorten für den regionalen Markt. Alle Gemüse gediehen bei optimalen Temperaturen in nährstoffhaltigem Regenwasser und nicht in Erde.

Im Tropengarten sahen die Mitreisenden viele exotische Gewächse und im Schmetterlingsgarten umschwärmten sie freifliegende bunt-schillernde Falter. An Bananenstauden konnte man den Lebenszyklus eines Schmetterlings vom Ei über Raupe und Puppe bis zum ausgewachsenen Falter beobachten. In Schaugehegen lebten Affen, Erdmännchen, Alligatoren, Fische sowie farbenfrohe Papageien und Sittiche.

Enking´s Mühle wurde 1802 als 5-stöckige Hollandmühle aus massiven Bad Bentheimer Sandsteinquadern errichtet. Obenauf thront der hölzerne Mühlenkopf mit den Flügeln und dem Windwerk. Im Inneren kletterten die Heimatfreunde über hölzerne Stiegen und Leitern bis zum Mahlstein. Zum 200-jährigen Jubiläum 2002 wurde die Mühle vollständig restauriert. 20 Jahre später sind am hölzernen Teil des Bauwerks bereits wieder viele Witterungsschäden zu sehen, die dringend repariert werden müssten.

Verwöhnt durch ein Stück Pumpernickeltorte und versorgt mit einem Päckchen Pumpernickel fuhren die Heimatfreunde nach einem erlebnisreichen Tag zufrieden nach Dinklage zurück.In der Backstube neben der Mühle wird nur aus geschrotetem Roggen, Salz und Wasser und ganz ohne Konservierungsstoff Pumpernickel gebacken. In 24-stündiger Backzeit nimmt der Teig die typisch dunkelbraune Farbe an. Das fertige Brot muss weitere 24 Stunden auskühlen, bevor es in feine Scheiben geschnitten und verpackt wird. Ein erneutes Erhitzen der verkaufsfertigen Verpackung tötet Keime ab und sorgt für eine lange Haltbarkeit.

Text und Fotos  Hans Hoymann - Peter Süßmann-Dierken Dinklage

Milchkuhherde, Käserei, Biogas

Nach zwei Jahren coronabedingten Stillstandes startete jetzt die erste Kulturreise 2022 des Heimatvereins. Die Halbtagesfahrt führte auf den Aussiedlerhof der Familie Derboven, die auf Hof Bünkemühle in Warpe eine Kreislaufwirtschaft betreibt.

Die Familie Derboven wurde 1961 aus Hamburg ausgesiedelt. Seit dieser Zeit versucht sie, auf dem Hof Bünkemühle eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft aufzubauen. Derbovens begannen die Zucht mit 20 Mutterkühen und 25 Hektar bewirtschafteten Acker- und Wiesenflächen. Bis heute erweiterten sie den Betrieb auf 500 Mutterkühe und 600 Hektar. Anschaulich stellte der Senior Derboven dazu den Einstieg seiner drei Töchter nebst Ehepartnern in den Familienbetrieb als Erfolgsfaktor dar.

Auf dem Betriebsrundgang erklärte der Senior, dass das Kuhwohl in einer stressfreien Herde im Mittelpunkt seiner Entscheidungen stand. Der tierfreundliche und umweltbewusste Landwirt beobachtete als Praktiker das Einzel- und Gruppenverhalten seiner Tiere stets ganz genau und hat hart mit sich gerungen, bevor er Entscheidungen über Zucht, Investitionen und Abläufe für seinen Betrieb traf. Plastisch und mit Enthusiasmus schilderte er aus eigenem Erleben alle Arbeitsabläufe von der Kälberaufzucht über die Mutterkuhhaltung und das Melken bis hin zur Verarbeitung der Milch in der eigenen Käserei zu köstlichen Käsesorten. Die gute Ausbildung und das theoretisch fundiertere Wissen seiner Töchter stellte er als weiteren Erfolgsfaktor für die erfolgreiche Entwicklung des Betriebes dar. Der endgültige Erfolg der heutigen Entscheidungen werde sich aber erst in der weiteren Zukunft zeigen. Abgerundet wird der Hofkreislauf durch eine Biogasanlage und die Ausbringung der Biogülle als hochwertigen Dünger für die bodenschonende Bewirtschaftung der Ackerflächen.

Nach der Führung genossen die Teilnehmer in Derbovens Hofkaffee köstlichen selbstgebackenen Kuchen und probierten den selbsterzeugten Käse. Viele Teilnehmer erwarben die ihnen am besten schmeckenden Käsesorten für zu Hause.  

Text und Fotos  Hans Hoymann - Peter Süßmann-Dierken Dinklage