Schwarzes Gold und Welfenadel
Die zweite Kulturfahrt des Heimatvereins - Juni 2026 - führte ins Erdölmuseum Wietze und ins Welfenschloss Celle
Auf der Suche nach Braunkohle entdeckte man 1858 Erdöl in Wietze. Zuerst schöpfte man das an der Oberfläche austretende Erdöl händisch. Später förderten fast 50 Ölgesellschaften industriell das Öl aus 2000 Bohrungen. Um 1900 kam fast 80% der deutschen Ölförderung aus Wietze. 1918 begann man, die Ölsande auch bergmännisch abzubauen. Das Öl wurde in Holzfässer gefüllt und mit Pferd und Wagen zum neu gebauten Bahnhof und zum Hafen transportiert. 1963 endete die Förderung.
Dieser Ölrausch führte im idyllischen Heidedorf Wietze zu texanischen Verhältnissen mit unverhofftem Reichtum und heftigsten sozialen Spannungen zwischen den Heidjern. Öl verseuchte die Bäche, aus denen die Bauern ihr Vieh tränkten. Die Sechs-Tage-Woche der angelockten Ölarbeiter mit täglich 12 Stunden Arbeitszeit, Wohnungsmangel und lange Wege zur Arbeit taten ein Übriges. Im Erdölmuseum auf der Teufelsinsel sind diese Herausforderungen und Probleme hervorragend dokumentiert.
Am Nachmittag besichtigten die Mitreisenden das barocke Welfenschloss in Celle. In den Repräsentationsräumen der Kurfürsten wird dargestellt, wie Nachfahren der hochadeligen Welfen aus Celle durch gezielte Heirat und den Zufall der Erbfolge Könige bzw. Kaiser in England, Dänemark und Deutschland wurden. Das 1675 erbaute barocke Schlosstheater mit 330 Sitzplätzen wird noch heute bespielt. Die um 1570 im Renaissancestil errichtete Schlosskapelle mit italienischen Sandsteinreliefs, aufwendigen Schnitzarbeiten und farbenfrohen Gemälden begeisterte alle.
Gestärkt mit Kaffee und Kuchen fuhren die Heimatfreunde mit vielen neuen Eindrücken zufrieden nach Dinklage zurück.
Text und Fotos: Hans Hoymann, Heimatverein Dinklage

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